Wenn 48 Jahre Städtepartnerschaft plötzlich in Schieflage geraten, wird es Zeit für neuen Schwung

von Peter Thiele

Stellungnahme der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Lage

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Lage. Die beiden Städte Lage und St. Johann im Pongau könnten geografisch kaum unterschiedlicher sein. Und doch
haben sie über Jahrzehnte hinweg durch Begegnungen, gegenseitige Besuche und persönliche Freundschaften
eine Partnerschaft gepflegt, die weit über offizielle Anlässe hinaus wirkte.
In der Vergangenheit profitierten nicht nur die Kernstadt, sondern auch die Lagenser Ortsteile von dieser
Beziehung. Besonders der staatlich anerkannte Luftkurort Hörste gewann durch den Austausch mit dem
tourismusstarken St. Johann wertvolle Impulse. Dort, wo alpine Gastfreundschaft, regionale Traditionen und ein
modernes Tourismusverständnis aufeinandertreffen, entstand für Lage und Hörste ein praktischer
Erfahrungsschatz, der bis heute Potenzial birgt.
Die in den Anfängen der Städtepartnerschaft legendären Tanzzüge nach St. Johann, die Beteiligung der
Trachtengruppen am Lagenser Schützenfest, Besuche der St. Johanner bei den Blumen- und Gartenfreunden in
Heiden und in Hörste, all das ist unvergessen.
Doch wie vielerorts, ist in den letzten Jahren ein ruhiges Fahrwasser in der Partnerschaft zu beobachten. Viele
Aktivposten aus vergangenen Jahren haben sich zurückgezogen, oder sind wie der in Lage hoch geschätzte,
unzählige Male mit dem Fahrrad angereiste Altbürgermeister Leo Neumayer inzwischen verstorben. Auch haben
Pandemie bedingte Einschränkungen, organisatorische Brüche und veränderte gesellschaftliche Dynamiken dazu
geführt, dass die Begegnungen seltener wurden.
Umso wichtiger ist es nun, die fast fünf Jahrzehnte lange Verbindung auf neue Beine zu stellen und ihre
Bedeutung für Gegenwart und Zukunft hervorzuheben.
Gerade in Zeiten gesellschaftlichen Wandels kann eine länderübergreifende Partnerschaf wichtige Impulse
geben. Gegenseitiges Verständnis und der kulturelle Austausch bieten Anknüpfungspunkte für Vereine, Schulen
und oder die Kurortentwicklung.
Für die Städtepartnerschaft zu St. Johann diente bislang vorrangig die Bürgermeisterebene als
Kommunikationsbasis, doch sollte diese Basis unseres Erachtens nach durch Akteure vor Ort unterstützt und der
PPV in Lage stärker eingebunden werden. Durch eine breitere Kommunikationsbasis können beide Städte
gemeinsam, mit den Bürgermeistern/innen Strategien ( z.B. mit Jugend, Wirtschaft, Vereinen) für eine Belebung
und aktive Gestaltung der Städtepartnerschaften erörtern und planen. Außerdem werden die Verwaltungsspitzen
der jeweiligen Städte durch das gemeinsame Wirken entlastet und können sich stärker ihrem Kerngeschäft
widmen.
Eine Entwicklung wie wir sie in den letzten Wochen erfahren mussten, darf es kein weiteres Mal geben und wir
können nicht nachvollziehen, warum Herr Kalkreuter als Bürgermeister von Lage nicht bereits im Sommer 2025,
nachdem er dem damaligen stellvertretenden Bürgermeister der SPD einen Gesprächstermin mit der
Bürgermeisterin in St. Johann Frau Huber vermittelt hatte und dieser ihn nach seiner Rückkehr über die
Tendenzen des Gespräches informierte, nicht umgehend seiner Informationspflicht gemäß § 55 Abs. 1 GO NRW
nachgekommen und den Rat, sowie als Geschäftsführer den PPV unterrichtet hat.
Wie uns die zuständige Fachschaftsleitung im Paten- und Partnerschaftsvereins der Stadt Lage Angelika
Schapeler-Richter mitteilte, hat sie nach Bekanntwerden der Aufhebungsabsichten der Städtepartnerschaft
umgehend Gespräche mit St. Johanner Bürgern und Mitgliedern des Gemeinderates geführt. Mehrfach hat man
ihr eigener Aussage nach in diesen Gesprächen bestätigt, dass man die Städtepartnerschaft von St. Johanner
Seite aus nicht aufheben will.
Wir die CDU Lage sehen wie die Fachschaftsleitung für St. Johann im PPV - Lage in dem anstehenden 50-jährigen
Jubiläum im Frühjahr 2027 einen idealen Anlass, die Partnerschaft zu revitalisieren und neue Wege der
Zusammenarbeit zu gestalten. Wir bieten unsere Unterstützung nicht nur an, sondern fordern eine aktive
Beteiligung ein. Durch gemeinsames Handeln können beide Städte zeigen, wie lebendig, sinnvoll und inspirierend
eine gelebte europäische Partnerschaft sein kann – damals wie heute und auch für die kommenden
Generationen.