„Wenn Hass“ regiert
von Peter Thiele
Marcus Bensmann von CORRECTIV diskutiert in Lage über die Gefahr von rechts
Lage. Anlässlich der städtischen Veranstaltungsreihe rund um den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus lud der Förderverein Stadtbücherei Lage zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Was passiert, wenn Hass regiert?“ in das Bürgerhaus ein. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, mit dem Investigativjournalisten Marcus Bensmann vom gemeinwohlorientierten Medienhaus CORRECTIV ins Gespräch zu kommen. Ausgangspunkt des Abends waren seine Recherchen zur extremen Rechten in Deutschland und sein Buch „Niemand kann sagen, er hätte es nicht gewusst“, in dem er die Strategien der AfD und der Neuen Rechten analysiert.
Bensmann schilderte, wie sich rechtsextreme Positionen in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt in Sprache, Medien und politische Debatten eingeschlichen haben. Anstatt mit offenen Parolen zu arbeiten, setze die Neue Rechte auf scheinbar nüchterne Begriffe und intellektuelle Anmutung, hinter denen sich jedoch radikale Vorstellungen verbergen. Ein Beispiel sei der Begriff „Remigration“, der harmlos klinge, tatsächlich aber Pläne zur millionenfachen Vertreibung von Menschen bezeichne. Solche Narrative verschöben die Grenzen des Sagbaren und bereiteten den Boden für weitere Radikalisierung.
Im Mittelpunkt stand auch die Frage, wie gezielte Desinformation und Verschwörungsnarrative das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben. Bensmann beschrieb, wie rechtsextreme Akteure soziale Medien nutzen, um Angst zu schüren, Feindbilder zu etablieren und die Deutungshoheit über Themen wie Migration oder Sicherheit zu gewinnen. Plattformen wie TikTok oder Telegram würden dabei mit einfachen Botschaften und emotionalen Bildern bespielt, während viele demokratische Akteure noch nach wirksamen Antworten suchten.
Gleichzeitig machte Bensmann deutlich, dass kontroverse Themen wie Migration offen und sachlich diskutiert werden müssen. Entscheidend sei, Debatten auf Fakten zu stützen, statt auf Mythen und Übertreibungen hereinzufallen. Eine vielfältige Gesellschaft könne dann funktionieren, wenn Bildung, soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe gestärkt würden. Abschottung und pauschale Ausgrenzung seien dagegen keine Lösung, sondern Teil der Probleme, auf die rechte Bewegungen setzten.
Zum Abschluss richtete Bensmann den Blick auf jede einzelne Person im Saal. Demokratie, so betonte er, beginne im Alltag – im Verein, am Arbeitsplatz, in der Familie. Es sei wichtig, rechten Parolen zu widersprechen, auch wenn es unbequem sei.
Der Abend in Lage zeigte, wie groß das Bedürfnis nach Aufklärung und Austausch ist – und wie sehr eine lebendige Demokratie Menschen braucht, die sich informieren, Fragen stellen und Haltung zeigen. Das zeigte sich zum einen an der Beteiligung an der Fragerunde, die sich an den Vortrag anschloss, zum anderen an dem regen Interesse der CORRECTIV-Publikationen, die die Buchhandlung Brückmann im Angebot hatte.
Text Michael Biermann. Fotos: Michael Biermann und Ulrike Upmeyer.